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Einbruch der Haiku-Welt in mein Leben

Ein schmales Bändchen legten mir junge Freunde aus Österreich auf den Geburtstagstisch: Imma von Bodmershof, Sonnenuhr Haiku. Es war im Mai des Jahres 1976. Schon das besondere Format, die Aufmachung, die großzügige Einteilung gefielen mir auf den ersten Blick. Am liebsten hätte ich mich sofort in seinen Inhalt vertieft. Aber es wurde Nacht, bis ich eine stille Stunde dafür fand. Vor Jahren hatte ich die Übertragungen japanischer Gedichte von Manfred Hausmann gelesen. Von daher war wohl auch noch der Klang des Namens Haiku im Ohr.

Nun lag plötzlich ein Buch mit original deutschen Haiku in meinen Händen. Ich las das Vorwort, die Studie über die Haiku von Wilhelm von Bodmershof am Schluß des Buches und ließ die Frühlings-Haiku tropfenweise wie einen kostbaren Saft in mich einfließen. Darüber schlief ich glücklich ein, das Buch noch in Händen. Ein paar Tage vergingen, ohne daß ich zu meinem Kummer Muße fand, mich weiter in das Büchlein zu vertiefen. Aber in meinem Innersten hatte das bereits Eingefangene unbemerkt weitergewirkt: denn, als ich mich eines Mittags legte, um ein wenig zu entspannen, kam mir überraschend selber ein Haiku in den Sinn, - eines, noch eins und noch eins... und dann war es wie ein Sturzbach! Ich schaute, sann - und schon formten sich die Worte. Ich konnte mich des Ansturms kaum erwehren. Es war, als ob alles in mir auf diese Auslösung gewartet hatte, ja als wenn ein Schleusentor aufgestoßen wäre, das die kleinsten Wortgebilde in sprudelndem Fluß entließ. "o diese Haiku!"

Nun vermochte ich das, was Imma von Bodmershof im Vorwort zur "Sonnenuhr" schrieb, noch viel mehr nachzufühlen: "Im echten Haiku will das Geheimnis des Lebens, das uns umgibt und alles, auch das Kleinste, durchdringt, spürbar werden. Solche Haiku kann man nicht ‚machen', sie entspringen einer bestimmten Haltung, einem glücklichen Augenblick". - Als der Sturzbach sich etwas ruhiger gebärdete, las ich "Sonnenuhr" bis zum Ende, in tiefer mitschwingender Freude. Seither haben die Haiku auch mich nicht mehr losgelassen. Die Möglichkeit, eine ‚Welt' in ein so eng begrenztes Gebilde mit siebzehn Silben einzufangen, aber so, daß sie nicht starr eingesperrt ist, sondern frei ausschwingen kann, - diese Möglichkeit faszinierte mich geradezu. Ich muß vielleicht dazu sagen, daß ich zwar von klein auf ein inniges Verhältnis zur Lyrik hatte, aber ‚von Natur' in erster Linie Malerin bin. Durch zwingende Notwendigkeiten hatte ich die Malerei nach und nach aufgeben müssen.

 

 

Einbruch der Haiku-Welt in mein Leben
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